Wer ich bin und wo ich herkomme

Es gibt Menschen, die bleiben immer da, wo sie geboren sind. Vielleicht ziehen sie ein paar Städte weiter, aber im Grunde genommen verbringen sie ihr ganzes Leben an einem Ort. So bin ich nicht. Ich bin in meinem Leben schon elf Mal umgezogen - und das in den letzten 20 Jahren. 
Geboren und aufgewachsen bin ich in Zwickau, der viertgrößten Stadt Sachsens - Heimat von Robert Schumann und dem Trabi. Zugegebenermaßen ein schönes Fleckchen Erde, aber mich hat es schon immer in die Welt gezogen. Sehr weit bin ich anfangs nicht gekommen, nur 300km weiter nördlich zum Studium nach Frankfurt/Oder, nicht weil ich da unbedingt hinwollte, aber weil ich dort einen Studienplatz bekommen habe. Mittlerweile ist meine Alma Mater, die Europa Universität Viadrina die beliebteste Universität Deutschlands - vor fast 20 Jahren stand sie noch in den Kinderschuhen und auch das Studentenleben in Frankfurt/Oder spielte sich mehr oder minder in einem einzigen Studentenclub ab. Aber Frankfurt/Oder konnte schon damals mit dem Helenesee und unzähligen brandenburgischen Wäldern ringsum punkten und ich kann mich gut erinnern, dass wir nicht selten die Uni geschwänzt haben und stattdessen mit meinem Labrador zum Baden gefahren sind. 
An der Viadrina musste man drei Fremdsprachen lernen, wenn man wie ich Kulturwissenschaften studierte, und so entschloss ich mich, Norwegisch zu lernen, da ich als Kind viele Sommer mit meiner Familie und Freunden in Norwegen verbracht habe. Leider wurde das aber nicht angeboten, sondern nur Schwedisch, was aber eh fast dasselbe ist und so lernte ich Schwedisch und ging für ein Auslandssemester nach Linköping. Während meine Kommilitonen in der Mehrzahl ihr ERASMUS-Jahr tapasessend und am Strand liegend in Spanien verbrachten, durfte ich einen tollen Campus in einer wunderschönen Kleinstadt, in der alles erradelt wird, genießen. Meine Wochenenden verbrachte ich bei einer unendlich herzlichen, schwedischen Gastfamilie, die mir bis heute die Liebe zu Schweden mit seinen endlosen Wäldern, gemütlichen Fikas (Kaffetrinken), freundlichen Menschen und der großen Freude an "Mittelmäßigkeit" (schwedisch "lagom" - d.h. so viel wie genau richtig: Nicht zu viel, nicht zu wenig, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Vielleicht auch einfach die perfekte Work-Life-Balance) für immer im Herzen verankert hat. 
Und da ein Auslandssemester damals sowas wie Tinder heute war, fand sich schnell eine große Liebe, die - wie sollte es auch anders sein - am anderen Ende der Welt in Oregon lebte. Oregon, das hatte ich vorher noch nie gehört und auch keine Ahnung wo das eigentlich war, aber fest stand: Da wollte ich hin. Zuerst verbrachte ich den nächsten Sommer fünf Wochen lang zusammen mit meinem Freund in einem alten Toyota beim Roadtripping entlang der Westküste. Wir starteten in Eugene, Oregon und fuhren immer nur so weit, wie wir Lust hatten bis hinunter nach Mexiko. Wir campten in Nationalparks, grillten Marshmallows über dem Lagerfeuer, bestaunten riesige Sequoias und erkletterten den Grand Canyon. Ein unvergessliches Abenteuer und für mich stand fest, ich musste einen dauerhaften Weg finden, in Oregon zu leben. 
Nachdem ich das Hauptstudium an der Viadrina abgeschlossen hatte, bewarb ich mich also für ein Masterstudium in Germanistik an der University of Oregon und hatte Glück: Ich wurde genommen und bekam ein Stipendium und einen Job als GTF (Graduate Teaching Fellow). Damit konnte ich nicht nur das Studium, sondern auch meinen Lebensunterhalt finanzieren - eine Voraussetzung meiner Eltern. Eugene ist der perfekte Ort für Outdoorliebhaber. Gelegen mitten im wunderschönen Gras Seed Valley (was allerdings im Sommer für Allergiker wie mich eine echte Herausforderung ist), braucht man dennoch nur eine Stunde bis ans Meer oder in die Berge. Außerdem ist es ein ehemaliges Hippie-Städtchen und noch heute ist es eher alternativ als konservativ eingestellt und bildet einen schönen Kontrast zu vielem, was man sonst so über die USA hört.
Aber auch diese schöne Zeit ging zu Ende und ich entschloss mich, nach Berlin zu ziehen, um dort weiter Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. In Berlin wohnte ich erst in Weißensee, dann in verschiedenen Altbauwohnungen im Prenzlauer Berg, um später schwanger mit meinem ersten Sohn nach Schöneberg zu ziehen, um näher an der Arbeitsstelle zu sein. Ich hatte mittlerweile bei einem großen Schulbuchverlag in Berlin eine Stelle als Redakteurin gefunden, und arbeitete immer in Vollzeit.

Und dann fand ich auf Twitter (das war auch mal sowas wie Tinder) meine wirklich große Liebe - das war für mich vom ersten Augenblick an völlig klar -  die mich dazu veranlasste, viele gute Freunde und meine beste Freundin in Berlin zurückzulassen, um aus der Hauptstadt mit ihren über drei Millionen Einwohnern in ein 300-Seelen-Dorf am nördlichsten Zipfel der Eifel zu ziehen. Wir kamen beide aus großen Städten an verschiedenen Enden Deutschlands und hatten genug von der Hektik und dem Stress, wir suchten etwas mehr Ruhe, Natur und Gelassenheit, und so kauften wir ein 100 Jahre altes Bruchsteinhaus und wagten das Abenteuer Familie. Ich kündigte meinen Job in Berlin und machte mich selbstständig, mit dem positiven Nebeneffekt, dass meine Arbeit mir wieder mehr Spaß machte und ich es auch mit dem 2. Kind schaffte, Familie und Arbeit gut unter einen Hut zu bringen.
Moritz kam genau im richtigen Moment, um mich zu fragen, ob ich bei Wo ist der Moritz mitmachen möchte. Ich habe schon früher an verschiedenen Blogs geschrieben und länger vorgehabt, es noch einmal anzugehen. Moritz und mich verbinden nicht nur die Gedanken um Nachhaltigkeit, die Liebe zu gutem, selbstgekochtem Essen und die Versuche am Eigenanbau im Garten, sondern wir beide haben auch riesig Lust auf dieses Projekt und ich freue mich sehr, dass es jetzt endlich losgeht.