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Vom Einstieg zum ersten kleinen Erfolg

Moritz / Schauspieler / Köln

Heute habe ich meine ersten Tomaten und Gurken geerntet und ich bin stolz wie Oskar. Schon lustig, welche Gefühle es auslöst, etwas „Eigenes“ zu ernten und dann zu essen. Bis vor einem Jahr habe ich über derlei noch nicht mal nachgedacht. 

Mein kleiner Garten wuchs fleißig vor sich hin, ab und an habe ich im Sommer mal das, was von mir Rasen genannt wurde und kaum als Wiese durchgehen konnte, gewässert. Das war`s. 

Nachdem ich im Herbst letzten Jahres den Entschluss zum Eigenanbau gefasst hatte, habe ich einiges an Zeit und Geld investiert, um hier die ersten Schritte zu einem Nutz- und Kräutergarten zu machen. Urban Gardening, ich denke ich werde es weiterhin Gärtnern nennen, soll also meine neue Freizeitbeschäftigung werden. Nachhaltig, Bioqualität, Entspannung ... vielversprechend allemal. Also wurden über den Winter diverse Hochbeete von mir gezimmert. Im Keller habe ich eine kleine Anzuchtstation eingerichtet – feucht und winzig wie er ist, hat er so zum ersten mal einen Nutzen. Und natürlich habe ich viel Recherche betrieben. Ich habe Blogs gelesen, Ratgeber, alles was ich finden konnte. 

Nicht jede Pflanze ist eine Primel, Tegetes, aha, Kapuzinerkresse kann man essen, oha, Fruchtfolge ... verstehe, Knoblauch im Herbst pflanzen, hilft gegen Blattläuse und andere Schädlinge, aber ... ups... Herbst ist schon vorbei. Also das mit dem Knoblauch dann im nächsten Jahr. Die Blattläuse werden schon nicht so schlimm werden ... Wurden sie aber. Aber insektenfreundlich soll er ja sein, der Garten ... also kein Gift oder ähnliches. Stattdessen sehnsüchtiges Warten auf die Marienkäferlarven.

Und ja, auch der Kompost wurde erst angelegt, als ich den Kompost gerne schon genutzt hätte. Also Komposterde kaufen, man lernt nicht aus. Insbesondere dann nicht, wenn man gerade erst anfängt. Inzwischen habe ich auch gelernt, dass man sein Gartenbuch nicht nur anlegt, sondern vielleicht doch besser auch konsequent führt, denn ich habe tatsächlich doch nicht mehr im Kopf, wann ich was gepflanzt habe und auch nicht welche Sorten. Dabei war ich mir sicher, dass es doch nicht so schwer sein kann, sich derlei Details zu merken. 

Trotz der Rückschläge habe ich, seit ich mit dem Gärtnern begonnen habe, meine tägliche Freude daran. Für mich hat des etwas sehr Meditatives, Ausgleichendes mit den Pflanzen zu arbeiten. Und es hat mir sehr beim Abnehmen geholfen. Mein Verhältnis zu meiner Nahrung hat sich tatsächlich geändert. Ich hoffe – nein – ich gehe davon aus, dass das Gärtnern mir auch helfen wird, mein Gewicht zu halten. 

Ich esse bewusster, und ich lerne durch eigene Erfahrung, wann welches Produkt saisonal tatsächlich an der Reihe ist, denn für die volle Selbstversorgung reicht mein Platz hier definitiv nicht aus. Insbesondere dann nicht, wenn mein Kohlrabi auch beim nächsten Versuch nur aus riesigen Blättern besteht und die Radieschen nochmals vier Zentimeter lang, aber nur zwei Millimeter breit aus der Erde gezogen werden. Ganz abgesehen von meinem bislang größten Nahrungskonkurrenten und bisherigem Sieger im Kampf um meinen Salat, der Schnecke! 

Also gilt für mich weiterhin: her mit mehr Informationen und vor allem, Erfahrungen sammeln. Bis dahin werde ich genießen, was das erste Gartenjahr trotz der Rückschläge hergibt. Also ab in die Küche, die ersten eigenen Tomaten und Gurken wollen als Salat mit etwas Ziegenkäse und roten Zwiebeln meine Motivation weiter steigern, während sich in den Blüten des Basilikums die Bienen mit den Hummeln tummeln.

Ha, jetzt bin ich nicht nur stolz auf meine acht Tomaten, sondern auch auf das außerordentlich exquisite Wortspiel am Ende dieses Textes ... Ein guter Tag, wenn sich Hummeln tummeln.