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Das Hungerproblem

Moritz / Schauspieler / Köln

Leider ist Hunger ein unumgängliches Übel während des Abnehmens. 

Immer mal wieder ertappe ich mich, dass ich über die Stränge schlagen möchte, doch noch eine „Kleinigkeit“ mehr zu mir nehmen will als vorgesehen.

Aber zumindest die körperlichen Nebenwirkungen der 800 Kcal Diät sind inzwischen durchgestanden.

Neben Kreislaufproblemen waren auch Konzentrationsstörungen zu bemerken, insbesondere nachmittags und am Abend. Ich war zwischenzeitlich auch deutlich reizbarer als sonst oder sagen wir besser etwas überempfindlich, sehr zum Leidwesen von Bine, die mir während der drei Monate ohne feste Nahrung trotzdem viel Kraft gegeben hat. Ich durfte aber auch lernen, dass Hunger nicht gleich Hunger ist. 

Natürlich waren die körperlichen Auswirkungen der so deutlich reduzierten Nahrung geschuldet. Ansonsten hatte und habe ich aber eher emotionalen Hunger.

Zu gerne kompensiere ich Stress oder schlechte Laune mit leckerem Essen und mit viel Essen, viel zu viel Essen. Ich esse dann also nicht weil mein Körper Nahrung braucht, sondern weil eine Emotion beruhigt werden muss. Das kann Stress oder Frust sein, oder auch eine Belohnung für einen guten oder harten Tag. Das perfide ist, dass Nahrungsentzug, wie bei einer Diät, Stress auslöst, bei zwangsläufigen Rückschlägen Frust mit sich bringt und natürlich nach einer erfolgreichen Gewichtsreduktion eigentlich eine Belohnung ansteht. 

Wenn das mal nicht gemein ist. 

Alles in allem war der Hunger aber während der Abnehmphase ganz erträglich, die Gewichtsreduktion brachte ausgleichend viele positive Dinge mit sich. Ich schlief ruhiger, atmete leichter, konnte mich nach und nach deutlich besser bewegen und ich war bis es nachmittags dann bergab ging sehr fit, frisch, erholt und wohlgelaunt. Ganz abgesehen von dem regelmäßigen Erfolg auf der Waage.

Physischen Hunger habe ich zur Zeit keinen. Der emotionale Hunger aber ist ein stets wiederkehrender Begleiter, den ich leider ertragen muss. Zumindest bis sich mein Körper in einigen Jahren endgültig an das reduzierte Gewicht gewöhnt hat, und bis ich selbst andere Möglichkeiten zur Kompensation gefunden und automatisiert habe. 

Noch besser wäre es natürlich, alles was kompensiert werden müsste ganz einfach aus dem Leben zu streichen. Leider liegt aber ja nicht alles was im Leben so passiert in der eigenen Hand.

Zur Zeit mache ich statt zu essen Sport. So komisch es mir vorkommt dies nach all den Jahren zu sagen, in denen ich steif und fest behauptet habe Sport um des Sportes Willen mache keinen Spaß, er tut es eben doch. Sport macht Spaß, wenn er erstmal nicht mehr nur weh tut. Da dies aber nicht immer hilft und eine Sportsucht als Alternative zu einer Essstörung sicher nicht das Ziel sein kann, bleibt mir zur Zeit oft nichts als den Hunger auszusitzen und ein oder zwei große Gläser Wasser zu trinken wenn er kommt. Wenn der Magen etwas gefüllter ist kommt mir eine normal große Portion Essen auch nicht mehr vor wie fünf Erbsen.

Jetzt setze ich mich erst mal in Ruhe vor meine Tabelle und mache mir für die nächsten Tage eine Essensliste. Das planen und protokollieren der Mahlzeiten hilft sehr die Kontrolle zu behalten.