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Ein (fast) ganz normaler Drehtag

Moritz / Schauspieler / Köln

Heute stand ein Drehtag bei der Lindenstraße auf dem Programm. Nichts Aufregendes, ein ganz normaler Drehtag, wie ich sie seit vielen Jahren in der Lindenstraße verlebe. 

Gestern Nachmittag kam die Dispo, das zentrale Planungsdokument, auf dem alle Szenen, Dreh-, Ankunfts-, Masken- und Kostümzeiten zusammengefasst sind. Damit weiß ich dann auch, in welchem Zeitfenster ich drehen muss, ob sich an der längerfristigen Planung noch etwas geändert hat und vor allem, wann genau ich da sein muss.

Ganz entspannt um 10 Uhr da sein, zweite Szene also erst mit mir und auch nur diese eine. Allzu lang wird der Arbeitstag vor Ort also nicht für mich. Vorher noch den Garten und mich selbst wässern, kleines Frühstück, und dann ab aufs Fahrrad. 

Je nach Wetter fahre ich mit dem Rennrad oder meinem E-Liegerad. So oder so bin ich mit dem Fahrrad rund 30 Minuten unterwegs bis ich 12 Kilometer später in Köln Bocklemünd am Studio ankomme. Heute also mit dem Rennrad. Fünfzehn Minuten durchschnaufen, einen Kaffee trinken, ein „Guten Morgen“ an die Kollegen, dann flugs in den zweiten Stock in die Garderobe laufen und ins Kostüm springen. Diesmal geht das aber garnicht so flugs ... durch meinen Gewichtsverlust muss ja nicht nur ich mich neu einkleiden, auch meine Rolle Klaus muss dies tun, beziehungsweise die Kostümbildnerin, die Klaus einkleidet.

Also stand eine etwas ausgiebigere Anprobe an. Einige Jeans, Hemden, T-Shirts, an und aus, Beratung, und dann war Klaus für diesen Tag wohl bekleidet, endlich mit Hosen, die auch ohne zwei Gürtel und Hosenträger nicht an den Knien hängen. Treppen runter, rechts abbiegen, erste Tür links – ab in die Maske.

Die Maske ist der Ort, an dem ich mich am Tag selbst erstmals richtig auf den Dreh einstimme. Ein wenig Plauschen, den Text nochmals durchgehen, innehalten, zur Ruhe kommen. Da meine Haare nicht besonders aufwendig frisiert sind und mein Make Up sich auch in Grenzen hält, bin ich dort nach weiteren fünfzehn Minuten wieder raus.

Und dann heißt es warten. Gute Gelegenheit für einen weiteren Kaffee und – ganz im Sinne meines Gewichthalten-Programms – den zweiten halben Liter Wasser des Tages gleich dazu. Meist gehe ich dann mit den Kollegen oder allein den Text nochmals durch, heute aber nicht. Nur das eine Bild, zwei Sätze und ein „Hallo“, das geht auch ohne langes Lernen. 

Eine Stunde später bin ich dran. Raus in die Außendekoration der Lindenstraße ins Café Bayer. Probe, dann dem Team alles einmal vorspielen und schon wieder Pause. Zwanzig Minuten Einrichten für die Technik. Dann Probe mit der Technik. Und dann, nach ca. zweieinhalb Stunden des Wartens, drehfertig machen, also Maske und Kostüm nochmal richten und „Bitte“. Die Szene in diverse Richtungen und in verschiedenen Einstellungsgrößen mehrmals spielen und fertig. Noch schnell hoch zum Fotografen, ein neues Bild muss her... ich sehe etwas anderes aus als in den letzten Jahren. Dazu noch den aktuellen Stand für das "vorher/nacher" per Foto dokumentieren. Um 14:30 Uhr sitze ich wieder auf meinem Rad auf dem Weg nach Hause und an den Herd. Ein kleines Mittagessen steht an. Da ich nur bis zum Mittag disponiert war, habe ich mir ausnahmsweise nichts Vorbereitetes mitgenommen. Ich nicht kann ja nicht einfach essen, was es gibt, weil ich mich zur Zeit noch strickt an einen festgelegten Kostplan halten muss. Ich freue mich schon drauf auf mein Mittagessen. Eine Scheibe Mehrkornbrot, etwas Käse, getrocknete Tomaten, Blatt-Salat, Rohkost, etwas Zitrone und Pfeffer. Muss reichen und reicht auch.