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Die nicht ganz passende Haut

Moritz / Schauspieler / Köln

Kennst du das, wenn du die Haare neu geschnitten hast, und du dir in den nächsten Tagen immer wieder hinein fasst, weil es sich so komisch anfühlt?

Oder nach der Zahnreinigung, wenn die Zähne sich von innen für einige Tage nicht wie die eigenen anfühlen und du mir der Zunge ständig die Innenseite der Zähne abtastest?

Das erzeugt so eine leichte unterschwellige Unruhe. 

So geht es mir mit dem ganzen Körper.

 

Damit keine Missverständnisse aufkommen sei gesagt, dass sehr glücklich mit meiner Veränderung bin. Aber ich habe mich an meinen Körper so wie er jetzt ist, ganz einfach noch nicht gewöhnt.

Immer mal wieder, wenn ich in den Spiegel schaue, frage ich mich: Bin das ich? Dann muss ich tatsächlich klischeehaft das Gesicht kurz anfassen, den Bauch einmal betasten und mich zur Seite drehen. Es sieht so anders aus.

 

Auch meine Bewegungsabläufe haben sich geändert. Ich kann aufstehen ohne größere Mühe. Ich gehe, stehe und sitze anders. 

Ganz langsam gewöhne ich mich auch daran, dass ich wieder zwischen zwei Autos auf einem Parkplatz durchgehen kann, ohne dabei zu riskieren einen Außenspiegel mitzureißen. 

Vor einigen Tagen habe ich vor dem Bett gestanden und geflucht, weil ich es um eine Jalousie anzubringen, vermeintlich verschieben musste, bis mir auffiel, dass ich einfach auf den Lattenrost steigen kann, ohne dass es durchbricht.

 

Mein Umfeld muss sich auch erst noch an mich in meiner jetzigen Form gewöhnen. Der Blick meiner Mutter wandert seit Wochen immer wieder an mir rauf und runter, wenn ich vor ihr stehe oder sitze. Ich denke dann immer, ich hätte mal wieder einen Fleck auf dem T-Shirt. Aber es liegt natürlich an der körperlichen Veränderung - Wobei mir auffällt, ich habe seit einiger Zeit kaum noch Flecken auf dem T-Shirt nach dem Essen oder Kochen. Mein Bauch stößt ja auch nicht mehr an den Tisch und die Arbeitsfläche.

Einige Freunde und Bekannte die mich das erste Mal nach dem Abnehmen sehen, sprechen mich an und sagen mir, ich solle nicht weiter abnehmen. Ich sähe ungesund aus. Dass ich im normalen Gewicht liege, ist dann nicht von Belang, die Veränderung ist wohl so groß, dass sie sich Sorgen machen.

 

Vor einigen Wochen, als ich bereits um die 30 kg verloren hatte, schaute Bine mich an und wunderte sich, dass ich anscheinend von heute auf morgen völlig anders aussähe. Bis wir feststellten, dass ich im Sitzen unbewusst die Beine übereinander geschlagen hatte. Das konnte ich bis dahin nicht. Seitdem sitze ich mit Vorliebe so, selbst wenn ich mich dann beim Aufstehen erst mal auseinander knoten muss und dabei fast den Esstisch umreiße.

Und obwohl sie mich jeden Tag sieht, hat sich noch nicht ganz daran gewöhnt, erschreckt sich auch schon mal, wenn ich nach Hause komme, bis sie schaltet und merkt, dass das ja ich bin, der da reinkommt.

 

Vieles davon sind natürlich positive Veränderungen - wer hat schon gerne dauernd Flecken auf dem Bauch oder reißt mit selbigem Außenspiegel ab - aber es ist ungewohnt und macht mich zwischenzeitlich wirklich unruhig.

Am ganzen Körper ist immer etwas zu viel Haut. Selbst auf dem Kopf. Nicht sichtbar, aber merklich. 

 

Und es sind einige sichtbare Hautfalten am Bauch zurückgeblieben. Ich habe Glück, das Problem hält sich in Grenzen, und dennoch beschäftigt es mich tagtäglich.Schon erstaunlich, dass derlei Eitelkeiten bereits auftauchen, nachdem ich doch gerade erst so schön abgenommen habe.

Albern. 

Ich hoffe, das kann ich bald ablegen und mich über meine Siegernarben freuen. Aber etwas irritierend ist es schon, im wahrsten Sinne des Wortes nicht in seiner (passenden) Haut zu stecken. 

 

Bis ich mich wieder rundum wie ich selbst fühle, ganz entspannt, ganz selbstverständlich, das dauert wohl noch eine Weile.