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Neustart

Moritz / Schauspieler / Köln

Das habe ich doch in letzter Zeit häufiger gehört. Ich brauche einen Neustart. Beim Essen, bei Bewegung, im Alltag und genauso oft höre ich: Weniger ist mehr! 

Vor allem in Bezug auf meinen Körper und auf mein früheres, unbedachtes und bei Zeiten maßloses Essverhalten. Weniger Essen heißt weniger Körpermasse, heißt in meinem Fall: mehr Gesundheit.

Aber natürlich auch in Hinblick auf unsere Welt und unsere Mitmenschen gilt sozial wie ökologisch: Weniger ist mehr. Unser Konsum ist zu hoch und zu unbedacht. Meiner also auch. 

Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass es mit der Ressourcenverschwendung so nicht weitergehen kann. Und auch wenn das für mich und für die meisten unserer Mitmenschen ja keine schockierend neue Erkenntnis ist, wirklich geändert hat sich wenig. Im Gegenteil. 

Dabei wissen wir dies zum Teil bereits seit unserer Kindheit. Aber wie beim Essen reichte bei mir das reine Wissen nicht aus, um auch danach zu handeln.

Seit Jahren denke ich darüber nach, mein Leben in Richtung Nachhaltigkeit anzupassen. Wirklich angepackt habe ich es nicht. 

Da „weniger ist mehr“ zur Zeit durch meine Ernährungsumstellung sowieso mein Leben bestimmt, scheint der ideale Moment für den Neustart gekommen. Jetzt ist der Zeitpunkt, mich erneut mit meinem Verhalten auseinanderzusetzen. Die Änderungen in meinem Alltag sind durch die Anpassungen im Essverhalten so oder so umfassend.

Da kann ich doch gleich den Rest mit angehen. Oder?

Bislang konnte ich mich an ein oder zwei Stellen dazu durchringen, mein Verhalten anzupassen. Kein Fliegen mehr auf kurzen Strecken, wenn der Zug es auch in einigen Stunden erledigen könnte zum Beispiel. Auch mein Auto habe ich schon vor einigen Jahren abgeschafft. Ich erledige fast alle Wege mit dem Rad.

Ohne eigenes Auto auszukommen, fällt mir ebenso leicht wie Flüge zu meiden. Beides bedeutet für mich – zumindest gefühlt – keine nennenswerte Einschränkung. 

In anderen Bereichen des Lebens sieht es da allerdings anders aus.

Mit dem Thema Fleisch tue ich mich da schon schwerer, denn ganz verzichten mag ich auf Fleisch nicht. Jedenfalls noch nicht. Ich esse Fleisch und auch Fisch einfach zu gerne. Da ich seit dem Teenageralter quasi täglich koche und dies auch sehr gerne tue, muss ich mich zu allem Überfluss auch noch daran gewöhnen, entgegen meiner Routine, ohne Fleisch oder Fisch zu kochen. Viele Gerichte sind seit langem auf Fleisch ausgelegt und funktionieren nicht oder nur sehr eingeschränkt ohne. Eine Umstellung, die mir nicht wirklich leicht fällt. 

Durch mein Gewichtsabnahme musste ich meinen Kleiderschrank vollständig leeren. Nichts passte mehr. Dabei reifte die Erkenntnis, dass viele Kleidungsstücke seit Jahren in meinem Schrank fast ungenutzt vor sich hinvegetierten. Was da alles zum Vorschein kam – erschreckend.

Und dann brauchte ich natürlich alles, aber wirklich alles, neu. Ich hätte wie gewohnt zu einem Kaufhaus gehen und einfach losshoppen können. Ich konnte mich gerade noch bremsen.

Eingekauft habe ich dann bei fairen Biolabels und in kleinen lokalen Läden oder Second Hand und siehe da, ich habe alles gefunden, was ich brauche. Und bei der Menge habe ich mich auch sehr zurückgehalten, auch wenn es schwer fiel. 

Ressourcenschonend Lebensmittel einzukaufen, ist zur Zeit auch noch eine Hürde. Einwegflaschen und Getränkedosen sind ja leicht zu meiden, die kaufe ich einfach nie. Bei anderen Produkten ist das schon schwerer. Die Eier finde ich in bio, den leckeren Käse aber nicht, das Lieblingsgemüse ist mal wieder verpackt, die Gurke eingeschweißt, die Äpfel sind wahlweise aus Chile oder in Plastik. Teufel oder Belzebub ... 

Gleiches gilt für Plastiktütchen oder Papiertüten, die bei nur einmaliger Nutzung nicht besser sind. Hier müssen also eigene Tüten und Beutel her.

Ich erkunde gerade die Wochenmärkte und die kleinen Läden in der Umgebung, vom Bioladen bis zum Türken, um den besten Weg zu finden. Der Unverpackt-Laden ist leider mit dem Rad mehr als 30 Minuten entfernt.

Diese Aufzählung ließe sich an dieser Stelle unendlich weiterführen. Möbel, Wohnungsgrößen, Kosmetika, Wasserverbrauch, Strom, Mircoplastik ... aber gemach. Viele Erfahrungen mache ich gerade erst.

Eine geglückte Umstellung steht bei uns im Haushalt noch aus. Die Beutel für den Einkauf werden dann doch mal vergessen, der eigene Kaffeebecher steht noch auf der Anrichte, anstatt in der Fahrradtasche gespannt auf seinen Einsatz zu warten. Und Plastikfrei? Bislang Fehlanzeige. 

Dann gibt es auch noch Sabines Smart, der sie beruflich oft in ländliche Regionen führt und auf den, mangels dortigem öffentlichem Verkehrsangebot, daher leider bislang nicht verzichtet werden kann. Hier in der Stadt steht er allerdings meist nur rum.

Der geneigte Vegetarier wird vollkommen zu Recht anmerken, dass Fleischessen mit einem kleineren ökologischen Fußabdruck herzlich wenig zu tun hat. Und ich denke, wir werden auch ab und an nochmal eine Flugreise machen. Nur eben nicht jedes Jahr oder auch nur jedes zweite.

Trotzdem. Wir bemühen uns und treten inzwischen an vielen Stellen voll auf die Bremse.

Ist die Umstellung schon schwer, noch schwerer erscheint es mir, an den richtigen Stellen anzusetzen.

Was ist denn überhaupt besser? Bringt diese oder jene Umstellung etwas oder kann ich damit nichts weiter erreichen als mein Gewissen mit einem Placebo zu beruhigen? Muss ich ab jetzt kalt duschen oder am besten überhaupt nicht mehr?

Welche Erfahrungen ich bereits gesammelt habe, wo die Fallstricke für mich bzw. uns lagen und wie die unbeschwerte Lebensfreude dabei leidet oder eben nicht, dazu in kommenden Beiträgen mehr. 

Können wir da das richtige Maß finden? 

Klappt das mit dem Neustart?