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Konsument sein oder nicht sein - das ist gar nicht die Frage

Maria / Redakteurin / Eifel

Immer wieder hört man, dass wir in einer Konsumgesellschaft leben, die über ihre Maßen Ressourcen verbraucht. Bei vielen Menschen setzt deshalb ein Umdenken ein. Klar ist: Ohne Konsum geht es nicht. Und ohne Ressourcenverbrauch auch nicht. Man kann aber sehr wohl beeinflussen, WAS man konsumiert und WIEVIELE und WELCHE Ressourcen man dafür verbraucht. Das Ziel sollte sein, die massive Ressourcen-verschwendung einzudämmen und nachhaltiger mit den natürlichen Ressourcen umzugehen.

Wenn man Kinder hat, beginnt man sich automatisch damit auseinanderzusetzen, welche Art von Leben sie in Zukunft führen werden, wenn sich nicht jetzt etwas ändert. 

In der Theorie ist das vielen Menschen völlig klar, die Umsetzung wird dann oft schon schwieriger. Ich persönlich denke, es ist nahezu unmöglich, das perfekte nachhaltige Leben zu führen. Es gibt wenige Lebensmodelle, die das ermöglichen – vor allem in den modernen Industrieländern. Andererseits muss man sich aber immer wieder vor Augen halten, dass wir hier echten Luxusproblemen gegenüberstehen. Es gibt einfach zu viel von allem, das meiste davon ist auch noch jederzeit verfügbar. Man wird gedankenlos und schätzt den großen Aufwand und die viele Arbeit, die hinter diesen Gütern steht nicht mehr. Deshalb ist es umso wichtiger, bewusste Entscheidungen zu treffen. Vieles mag einem wie ein Tropfen auf dem heißen Stein vorkommen, aber letztendlich ist auch schon ein Umdenken in Teilbereichen ein Schritt in die richtige Richtung.

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, habe ich angefangen zu nähen. Anfangs noch auf der Suche nach möglichst preiswerten Stoffen, denn letztendlich wollte ich schöne Kinderkleidung für wenig Geld haben. Wenn man aber erstmal „billige“ Stoffe in der Hand hatte, die vielleicht auch noch nach Chemie riechen, kommt man ganz schnell ins Grübeln. Ich bin ganz schnell davon abgekommen bei einem Stoff als erstes auf den Preis zu schauen. Und vernähe nahezu ausschließlich Stoffe mit  95% Baumwolle, am liebsten 100%, aber oft ist doch ein geringer Anteil Elasthan bei Jersey dabei. Und weil Baumwolle nicht gleich Baumwolle ist, achte ich darauf, dass es mindestens Biobaumwolle ist. Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) garantiert zumindestes den ökologischen Anbau der Faser und bietet Kleinbauern in ärmeren Ländern viele Vorteile. Eigene soziale Standards beinhaltet das Bio-Zertifikat jedoch nicht. Dafür muss man noch einen Schritt weiter gehen – der Global Organic Textile Standard (GOTS) garantiert nicht nur eine ökologische, sondern auch eine sozial verantwortliche Textilproduktion und sollte über kurz oder lang zur Selbstverständlichkeit werden. Mittlerweile bieten auch viele große Händler und Marken Kleidung mit diesem Siegel an – sie sind in der Regel etwas teurer, aber dafür kann man einfach weniger kaufen. 

Und wenn man das erste Mal eine Hose oder ein T-Shirt selbst genäht hat, möchte man eigentlich nie wieder ein T-Shirt für 5 Euro kaufen. Weil man einfach weiß, wieviel Arbeit darin steckt, die für dieses Geld niemand leisten kann. Man muss sicher aber auch im Klaren darüber sein, dass ein T-Shirt, das 50 Euro oder mehr kostet, nicht automatisch besser ist. Ganz im Gegenteil. Viele Markenfirmen produzieren unter ökologisch und sozial nicht vertretbaren Bedingungen. Da heißt es einfach, die Augen offenzuhalten und sich über die Produktions- und Arbeitsbedingungen genau zu informieren. Im Internet gibt es viele Quellen, die Label und Firmen, die nach dem GOTS zertifiziert produzieren, auflisten. Für den Kleinen nähe ich mittlerweile fast alles selbst, viele Hosen und Pullover werden inzwischen von der dritten oder vierten Kindergeneration getragen. Aus kaputten langen Hosen machen wir im Sommer kurze Hosen und aus Papas zu eng gewordenen Pullovern und T-Shirts kann man wunderbar kleine Kinderhosen oder Shirts machen. Upcycling nennt man das und das funktioniert auch in anderen Lebensbereichen sehr gut.

Aber auch, wer nicht nähen kann, sollte zumindest beim Kauf zukünftiger Kleidung darauf achten, dass sie mit den entsprechenden Zertifikaten ausgezeichnet ist und überlegen, wie man sie weiterreichen oder auch weiterverkaufen kann. Und nach und nach vielleicht auch die eigene Garderobe etwas reduzieren und beim Neukauf einzelner Teile etwas mehr Geld in die Hand nehmen und auf zertifizierte Materialien achten.