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Abenteuer Bahnfahrt

Maria / Redakteurin / Eifel

Zugreisen sind gut für die Umwelt und schlecht für das Nervenkostüm. Zumindest für meins. Wenn ich alleine mit zwei Kindern von Köln nach London fahre. Auf den ersten Blick sah meine Reiserecherche ganz gut aus: Zweimal circa zwei Stunden Zugfahrt und dazwischen eine gute Stunde Aufenthalt mit Umstieg in Brüssel. Insgesamt fünf Stunden – das kriegt man hin. Mit dem Auto ist man auch nicht schneller und mit genug Gummibärchen und Keksen hält man die Kinder solange in Schach. Buchen konnte ich das Ticket aber auf der DB-Seite nicht. Man konnte lediglich eine Buchungsanfrage stellen, auf die ich in meinem Fall erst nach zwei Monaten – als ich schon gar nicht mehr dran glaubte – endlich eine Antwort bekam. Kosten sollte das ganze 245 Euro – fairer Preis für drei Personen, und ich hatte 24h Zeit, um das Angebot telefonisch verbindlich zu buchen. Allerdings hatten sich meine Reisedaten mittlerweile um einen Tag verschoben – das dürfte ja aber kein Problem sein, wenn man dann direkt einen Bahnmitarbeiter am Telefon hatte, dachte ich. War es aber doch, besagter Mitarbeiter hätte mir lediglich die Fahrkarten für die exakt gesuchte Reise buchen können. Ich sollte also nochmal neu suchen und wieder anrufen. Meine neue Suche auf der Bahnseite brachte mir dann Tickets für über 2000 (!) Euro als Angebot – hm, das fand ich doch etwas teuer für eine Bahnfahrt 2. Klasse nach England, also rief ich noch mal bei der Bahn an und hatte das Glück, eine sehr nette, allerdings extrem redselige Mitarbeiterin am Telefon zu haben, die es dann innerhalb von lediglich einer Stunde und 13 Minuten schaffte, mir die Tickets für mich und die beiden Kinder am gewünschten Tag zu kaufen. Bezahlt habe ich direkt mit Kreditkarte und mit dieser sollte ich dann auch die Tickets am Bahnhof am Ticketautomaten abholen können. Ein Bestätigung könnte man mir nicht schicken (hat sie mir dann aber netterweise doch gemailt, das darf ich aber keinem verraten – ihr wisst also von nichts). Mein erster Versuch, die Tickets am Bahnhof abzuholen scheiterte daran, dass auf meine Kreditkarte keine Tickets hinterlegt waren. Zum Glück hatte ich ja noch die Bestätigungsmail mit einer Vorgangsnummer, mit der ich dann am nächsten Tag die Tickets ausdrucken konnte. Dachte ich jedenfalls – wie sich nämlich ein paar Tage später (zum Glück vor Antritt meiner Reise) herausstellte, hatte ich noch gar kein Ticket ausgedruckt, sondern nur die Sitzplatzreservierungen. Also bin ich nochmal zum Bahnhof gefahren, aber der Automat hatte leider keine weiteren Tickets für mich und die Damen im Reisecenter konnten mir auch nicht weiterhelfen, weil bei denen nämlich gerade alle Computer ausgefallen waren. Sie haben sich aber meinen Namen und die Vorgangsnummer aufgeschrieben und am nächsten Tag hielt ich dann endlich die Tickets in der Hand – schon beim vierten Bahnhofsbesuch.

Am Tag der Reise haben wir optimistisch den ICE bestiegen, wir hatten ein Familienabteil und die Klimaanlage funktionierte auch. Erster Halt in Aachen – und letzter Halt – nach gerade mal 33 Minuten Fahrt. Der Zug hielt, es wurde von technischen Problemen geredet, Männer guckten suchend unter den Zug und keiner wusste irgendwas. Die Ansagen blieben vage, irgendwann war klar, dass dieser ICE gar nicht weiterfährt. Und der nächste Zug von Aachen nach Brüssel war leider das Konkurrenzunternehmen, die nehmen dann liegengebliebene Bahngäste nicht mit. Alle durften aussteigen und schon 2 Stunden später sollte der nächste ICE nach Brüssel fahren. Dann stand ich also auf dem sonnigen Bahnhof mit einem Riesenrucksack, einem Kleinkind im Tragetuch und einem Siebenjährigen, dem sehr heiß war. Wir wurden auch mal gefragt, ob wir etwas Wasser wollten, das habe ich zwar bejaht, aber bekommen haben wir keins. Der nachfolgende ICE kam dann auch noch mal 15 Minuten später als angekündigt an, dann wurde kurzfristig das Gleis gewechselt und zwar dreimal und schließlich ein komplett neuer ICE eingesetzt, weil der Folgezug aus Köln auch technische Probleme hatte. (Es wurde auf dem Bahnsteig gemunkelt, dass das in den letzten 24 Stunden vier ICEs passiert sei, die sind also definitiv nicht für den Klimawandel gemacht). Bis der ICE dann aber mal die Türen öffnete und alle Irren sich benahmen, als gäbe es im Konsum endlich mal Bananen, vergingen weitere 30 Minuten und letztendlich kam ich mit 3 Stunden Verspätung in Brüssel an. Der gebuchte Eurostar nach London war da natürlich schon längst in London angekommen, aber die Mitarbeiter waren unglaublich hilfsbereit und haben uns – leider erfolglos – versucht auf den nächsten umzubuchen. Der war nur schon voll und wir mussten eine weitere Stunde in Brüssel warten. Aber mir wurde immer wieder Hilfe angeboten, sobald bemerkt wurde, dass ich alleine mit zwei Kindern reise. Und als der Kleine sich während der Passkontrolle über mich und sich übergeben hat, rannte sofort jemand los um mir Zewa zu holen, der nächste brachte uns direkt zur Toilette und sagt uns, wir sollen dann gleich zu ihm kommen, damit wir direkt vor allen anderen boarden können – dieser nette Service hat den unendlich anstrengenden Tag ein bisschen besser gemacht, aber als wir dann zwei Stunden später in London und noch mal zwei Stunden später endlich in Oxford waren, hatte ich für meinen Teil nach insgesamt 11 Stunden Reise doch ziemlich die Nase voll. Ich bin gespannt auf die Rückreise, werde mich aber mal sicherheitshalber auf das Schlimmste einstellen, noch mehr Gummibärchen und vor allem noch mehr Wasser einpacken und es mir in Zukunft gut überlegen, ob ich noch mal mit der Bahn fahre.