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Sport soll man machen, verstehe ... dann fange ich doch mal an

Moritz / Schauspieler / Köln

Um das mit dem Abnehmen hinzubekommen, muss man bekanntlich seine Ernährung umstellen. Was aber auch dazu gehört, ist Bewegung. 

Leider fällt dies den meisten dicken Menschen ebenso schwer wie die Ernährungsumstellung. So war es auch bei mir.

Dabei ist es gerade die Bewegung, die die Umstellung des Lebenswandels leichter macht, wenn man damit erstmal begonnen hat.

 

Wichtig ist aber auch, sich klarzumachen, dass ein Mehr an Bewegung nicht automatisch zu einer  Gewichtsreduktion führt. Die Nahrung macht den bedeutend größeren Teil aus. Um die eine Pizza zu viel wieder von den Rippen zu bekommen, sind rund zwei Stunden Sport nötig – gut, ganz so einfach ist es nicht, aber das Prinzip stimmt – und für einen Liter Cola mindestens eine. Wer hat schon die Zeit, so viel Sport zu machen?

 

Trotzdem. Klar war: Ohne Sport wird es deutlich schwerer, abzuspecken. Und da die Muskelmasse bei einer große Reduktion des Gewichtes ebenfalls kleiner wird und der Kreislauf gestärkt werden sollte, muss Sport – bzw. Bewegung – einfach sein.

 

Nicht sonderlich hilfreich fand ich diverse Videos, Sport-Blogs, Abnehmsport-Tipps und was sich sonst noch so dahingehend im Netz findet. Das meiste was da vorgeschlagen wird, konnte von mir als Dickem nicht umgesetzt werden. Und falls doch, nur unter Schmerzen. 

 

Joggen zum Beispiel. Mache ich inzwischen dreimal in der Woche und es macht mir wirklich Spaß. Aber vor der Gewichtsreduktion? 

Wenn ich das mit dem Joggen dann mal wieder versucht hatte, folgte wahlweise oder alles auf einmal: Ferse durchgelaufen – Schmerzen im Mittelfuß – Schmerzen in den Knien – Schmerzen in den Schienbeinen – Seitenstechen nach 30 Metern – Kreislaufprobleme und vieles mehr.

Das macht keine Freude und lässt sich daher auch nicht durchhalten. Abgesehen davon ist es auch sicher nicht gesund.

 

Die bereits angesprochenen Videos für Training zu Hause, die im Netz zu finden sind, halfen auch nicht weiter. Die sind meist nicht umsetzbar mit großem Übergewicht. Schade eigentlich. 

Aber wenn ich den Stütz kaum halten kann, wie soll ich dann 30 Liegestütze machen? Geschweige denn 10 Klimmzüge mit 125 kg auf den Rippen? 

Sollen die Fitness-Kollegen da im Netz mir mal vormachen, ob sie das alles so könnten, wenn eine zweite Person auf ihnen sitzt, oder an ihnen dranhängt. Glaube ich nicht.

Da fragt man sich doch, ob sie einen Nagel im Kopf haben ...

 

Und leider ist es ja nicht bei allen Dicken so, dass die Sportlichkeit vom Himmel gefallen ist ... Und selbst wenn es mal so war, die Freude an der Bewegung, die wir Menschen tatsächlich in uns haben, ist bei mir über die Jahre im Speckmantel in fast allen Bereichen verloren gegangen, das dürfte also andern Dicken auch so gehen. Und natürlich sprechen bei vielen Dicken diverse Erkrankungen gegen Sport (bei mir dankenswerterweise nicht), insbesondere von Null auf Hundert. 

Von Null auf Hundert, auch so ein Punkt. Mit zu viel anzufangen führt fast zwangsläufig zu Frust und Scheitern. Aber genau so habe ich es immer versucht. Kann ich nicht empfehlen. Funktioniert nicht länger als einige Tage. Und ist schmerzhaft. Körperlich und seelisch. Leistungssportlern nachzueifern ist also sicher keine Option. Erst Recht nicht zu Beginn. 

 

Allerdings spricht meist nichts gegen Bewegung. Im Gegenteil. Was also tun? 

 

Ich habe mit Radfahren angefangen. Das kann fast jeder und man kann es gut dosieren. Im Zweifel auch mit E-Motor. Hauptsache ich tue es, war die Devise. Inzwischen kann ich meine Räder kaum noch in die Ecke stellen. Im Alltag ohne Auto sind sie meine ständigen Begleiter geworden. So habe ich die Grundbewegung an den meisten Tagen gleich erledigt, ohne es groß zu merken.

 

Aber es sollte dann doch etwas mehr passieren. Ich merkte, dass ich abbaute. Der Blutdruck ging immer weiter in die Höhe und meine Fitness stagnierte, bestenfalls. Ich musste mich mehr bewegen. Und selbst, wenn ich kein Gramm abnehmen würde, ich würde meinen Sport machen. Hatte ich mir vorgenommen. Gesünder ist es so oder so. 

Aber bloß nicht zu viel machen. Wer sich übernimmt verliert das bisschen Lust, das da ist, gleich auch wieder.

 

Joggen kam nicht in Frage, ich hatte mir erst im November wiedermal die Ferse durchgetreten bei einem erneuten übermotivierten Versuch ... Nochmal musste das nicht sein. 

 

Ich habe viel dazu gelesen und dann kam noch eine Empfehlung von der Sportbetreuerin aus meinem Programm dazu.

Nordic Walken sollte es sein. Das mit diesen komischen Stöcken. 

Sieht komisch aus, dachte ich. Ich mit meinen 120 Kilo und zwei so dünnen Stöckchen, als ob ich schon nicht mehr laufen könnte.

Sah auch komisch aus. 

Funktioniert aber gut. Es ist schonender als Joggen, nach langer Sportpause gut machbar und auch für Dicke geeignet, weil man eben nicht mit dem vierfachen des eigenen Gewichts auf die Knie eindrischt wie beim Joggen, sondern wie es heißt, nur mit dem eineinhalbfachen. Und es ist sehr effektiv. Wenn man es richtig macht. Eine Beratung dahingehend kann also nicht schaden.

 

Das habe ich also vier mal die Woche gemacht. Nordic Walking, am Anfang 20-30 Minuten pro Einheit. Nach drei Wochen wechselte ich dann auf drei mal pro Woche bereits je 40-50 Minuten, je nach Tagesform. 

 

Zur Zeit mache ich das zur Regeneration noch ab und an. Heute zum Beispiel war ich wieder unterwegs.

 

Bevor man damit anfängt empfiehlt sich eine Einweisung im Umgang mit den Stöcken und in die Technik. Ist im guten Fachgeschäft beim Kauf der Stöcke sicher zu bekommen. Und da auch gleich die Länge einstellen lassen.

Wenn man lange keinen Sport gemacht hat, sollte vor Beginn die Ärztin oder der Arzt konsultiert werden. Nur zur Sicherheit.