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Gewonnen? Verloren? - Bewegung

Moritz / Schauspieler / Köln

Ich möchte an dieser Stelle nochmal über den Sport reden. Denn heute macht mir Sport Spaß. Die Zeiten, in denen nach zehn Minuten zügigem Gehen alles weh tat, sind vorbei. 

Was verliert man durch Sport? Die Frage an sich ist im Grunde lustig: Was soll man schon verlieren? 

Gut, Zeit ist sicherlich etwas, dass beim Sporteln draufgeht. Den ganzen Sonntag auf dem Sofa verbringen, geht vielleicht auch nicht mehr? Man hat einen gewissen Verschleiß an Schuhsohlen, Sportkleidung etc. Aber sonst? Sport ist kein Verzicht. Und auch kein Verlust. Als Gewinn habe ich ihn aber früher auch nie begriffen. Abgesehen von ausgedehnten Radtouren und Wanderungen. Ansonsten eher langweilig bis nervig und lästig bis schmerzhaft. 

Inzwischen aber habe mich so daran gewöhnt, mich ab und an so richtig auszupowern, dass ich das nicht mehr missen möchte. Kleine und große Erfolge stellen sich ein, das motiviert mich zusätzlich. Auf dem Rad, beim Krafttraining, beim Laufen oder beim Badminton ...

Man glaubt nicht, wie es sich anfühlt, in einem Klimmzug nach vielen Jahren zum ersten Mal den eigenen Körper wieder hochwuchten zu können. Mir hat das die Tränen in die Augen getrieben. Inzwischen schaffe ich auch mehrere. Und es werden zählbar mehr. 

Gerade eben erst bin ich 30 km gelaufen, in knapp unter drei Stunden. Das war natürlich bis vor Kurzem noch vollkommen undenkbar. Und auch wenn die Waden nun etwas zwicken und zippen – es war eine wahre Freude. Eine echte Befreiung. Einfach laufen. Freiheit.Pur. 

Selbst während ich dies hier schreibe, muss ich breit grinsen, wenn ich daran denke. 

 

Sport eignet sich für mich ganz hervorragend als Freizeitbeschäftigung. Statt in den Kühlschank zu gucken und mit der leichten Beute vor den Fernseher zu schleichen, um dort zu vergammeln, gehe ich raus und bewege mich. Das ist natürlich auch nicht immer gleich schön. Allzuviele Regentage gab es zwar in letzter Zeit nicht, aber auch so muss ich mich immer noch ab und an zwingen, mich in die Sportklamotten zu schmeißen und loszulegen.

Gerade morgens. Aber ich mache es nach und nach zu einem Ritual. 

Kaffee kochen. 

Rein in die Klamotte.

Kaffee trinken.

Raus aus dem Haus. 

Und schon nach kürzester Zeit stellt sich Zufriedenheit ein. Runners High? Gibt es tatsächlich. Ein feiner Kick. Macht glücklich. 

Und nach dem Sport erst. Schön durchgewärmt und wach aus der Dusche kommen und den zweiten Kaffee genießen. Eine wahre Wonne. Danach fühle ich mich frisch und wach. Gewappnet für den Tag. Und vor allem fühle ich mich glücklich. Das ist Lebensqualität. Und ich bin sehr sehr dankbar dafür. 

 

Ich habe also etwas Zeit vor dem Fernseher oder dem Rechner verloren. Mehr aber auch nicht. Hier kommt ganz klar das Wohlfühlen anderer Art zum Tragen. Das will ich nicht mehr missen.

Ach, ich habe doch noch etwas verloren: Diese unschönen mitleidigen bis belustigten Blicke, wenn ich dann doch mal Sport gemacht habe mit über 120 Kilo auf der Waage. Die Leute meinen vielleicht, dass würden wir Dicken nicht merken, oder es ist ihnen sogar egal. Aber wir bemerken das durchaus. Schön ist das nicht. Und auch, wenn man dies vollkommen zu Recht als schlechtes Benehmen, eine noch schlechtere Erziehung oder – bestenfalls – als Achtlosigkeit abtun kann: Dem nicht mehr ausgesetzt zu sein, hat seine Vorzüge.

 

Daher fällt es mir wirklich leicht, erneut drei Gummipunkte zu vergeben. Alle drei gehen an den Gewinn.

 

In den Blogposts „Gewonnen? Verloren?“ konnte ich auch für mich selbst festhalten, ob ich denn nun eine arme, immer nur verzichtende Wurst geworden bin oder eben nicht. Bin ich nur noch ein Sklave meines Anspruchs ,mein Gewicht nun zu halten, nur an Punkte, Essen, Verzicht und Körper denkend und darbend, ohne Freude und Genuss im Leben? Habe ich meine Lebensfreude verloren?

Nein. Im Gegenteil. Ich habe sehr viel mehr gewonnen als verloren. Das gleicht jeden Verzicht und auch die „verlorene“ Zeit aus, die ich investieren muss, um das Gelernte auch als Routine zu verinnerlichen. 

Und die Sorgen, nein, die Ängste, es könnte wieder hoch gehen, das Gewonnene wieder zu verlieren? Denn mal ehrlich: Wenn man etwas sehr mag, dann macht man sich schon mal Sorgen, es zu verlieren. Manchmal sogar schon, bevor man es hat.

 

Ich mag es. Freue mich jeden Tag daran. Genieße es. Das ist Lebensfreude. Zumindest für mich.