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Gewonnen? Verloren? - Alltag

Moritz / Schauspieler / Köln

Es ist Zeit, auch einmal meinen Alltag vor und nach der Ernährungs- und Lebensumstellung zu vergleichen.

Es gibt – nicht weiter verwunderlich – kaum Negatives zu berichten.

Vielleicht, dass ich unterwegs nicht einfach schnell etwas Fast Food in mich reinstopfen kann, wenn es mal schnell gehen muss. Ansonsten fällt mir wirklich nichts ein.

 

Doch. Konzentration und Belastbarkeit. Um diese zu steigern, habe ich meist gegessen. Zuckerdoping also. Das fällt weg. Superkräfte kann man sich aber eh nicht dauerhaft anessen. Ich habe es versucht, ich weiß wovon ich rede.

Also hier und da etwas zusammenreißen und es geht auch ohne Essen. Und ich kann sagen, es ist auch schon etwas leichter geworden. 

 

Beim Positiven sieht das anders aus. Dazu fällt mir spontan wirklich viel ein. An allererster Stelle steht da das Medizinische. Ich bin gesünder als vorher.

Mein Blutdruck und meine Cholesterinwerte sind im grünen Bereich.

Das Ziehen in Brust und Armen bei vielen Bewegungen?

Verschwunden!

Atemnot? Weg!

Schnarchen? Meine Bine hat in den letzten Monaten manchmal Angst gehabt, dass ich das nächtliche Atmen ganz eingestellt hätte, so leise bin ich nun, wenn ich schlafe! Und damit hängt sicher auch zusammen, dass ich grundsätzlich ausgeschlafener und ausgeruhter bin. Mit weniger Schlafstunden als zuvor.

 

Ich bin also nicht nur gesünder. Ich fühle mich auch so.

Was damit auf Dauer auch gleich wegfällt sind Medikamente, allzu regelmäßige Arztbesuche und so weiter.

Was mir aber wirklich richtig Freude macht ist, dass ich mich besser bewegen kann, dass der Körper sich nicht immer anfühlt wie eine Last.

Der Alltag ist leichter geworden.

Schneller, agiler, schmerz- und schamfrei. 

Aufstehen geht einfach so. Wahnsinn, was das ausmacht.

Kein Ächzen und Stönen mehr als wäre ich dreißig Jahre älter. Kein möglichst unauffälliges Zur-Seite-Lehnen, um mich hochstützen zu können.

Kein „kann ich da mal mit der Hand hin, ich komme sonst nicht hoch?“. Und kein zwanghaftes Am-Tisch-sitzen mehr, weil das Sitzen auf dem Sofa und das Aufstehen sich schwerer gestalten, als man meinen sollte, und so der Platz am Tisch doch die besser Wahl ist, wenn man sich nicht gleich hinlegen möchte.

Was ich ja oft genug getan habe.

Ich kann auf einer Holzbank oder auf dem harten Fahrradsitz Platz nehmen und sitzen bleiben, ohne nach fünf Minuten Schmerzen im Steiß zu haben.

Ich wusste schon nicht mal mehr, wie sich das anfühlt. 

 

Treppensteigen ist keine Qual mehr und diese Scham, wenn ich dann schwer atmend und schwitzend endlich oben ankam, ist auch verschwunden.

Klar – ich atme nicht mehr schwer und schwitze auch nicht mehr übermäßig, wenn ich Treppen steige.

 

Ich passe im Café auch dann an den Tisch, wenn es mal eng bestuhlt ist. Ich muss nicht immer alle bitten aufzustehen, wenn ich mal vorbei muss.

Es gibt echt Schöneres, als die Nachbarn zu bitten mit dem Tisch zu rücken, damit man selbst sich irgendwie zwischen Stuhl und Tisch klemmen kann.

 

Keine aufgeriebenen Innenschenkel in der leicht angeschwitzten, immer zwickenden Jeans mehr, wenn ich eigentlich nur durch die Stadt schlendere.

Was für eine Wonne.

 

Oben ohne mal eben vom Bad ins Schlafzimmer, oder jetzt, wo es so heiß war, auch mal den ganzen Tag lang in Haus und Garten? Das wäre mir vor einigen Monaten nicht in den Sinn gekommen.

Zu groß war die Scham vor mir selbst.

Das ging ja schon soweit, dass ich vor anderen nicht mehr gerne schwimmen gegangen bin. Egal ob am Strand, am Rhein, am See oder am Meer. Immer schnell ein T-Shirt drüber.

Ein schlimmes Gefühl.

Unnötig, gebe ich zu.

Aber mir ging es so. 

 

Und das als Schauspieler. Der seinen Körper ja durchaus auch mal einigen Millionen Menschen zeigt. Nicht gut.

Diese Scham ist verschwunden.

Die Ketten sind gesprengt.

Weg.

Tschö mit Ö.

 

Und Kleidung – ein ganz eigenes Thema, aber an dieser Stelle sei schnell noch erwähnt, dass es für mich schon einen Unterschied macht, ob ich fragen muss, ob es etwas in XXXL gibt oder ich gleich wieder gehen kann.

Was dann zumeist der Fall war.

Insbesondere bei Kleidung, die ich schön fand.

Und mal eben ein T-shirt leihen bei einem Freund, wenn ich mich zum Beispiel begleckert habe oder im Regen nass geworden bin? Geht nun auch.

 

Wobei mir einfällt, ich kleckere mich nicht mehr so oft voll beim Essen oder kochen. Ich sitze einfach nicht mehr mit dem Bauch fast auf dem Tisch und der Weg vom Teller zum Mund ist nicht mehr so weit und in der Küche legte sich der Bauch, wenn ich mich mal vorbeuge nicht auf die Lebensmittel.

Ich gehe sogar beizeiten mal ohne Zweit-Shirt vor die Tür.

 

Für den Alltag kann ich diese Liste unendlich weiterführen. Im Grunde geht einfach alles leichter.

Unglaublich, aber wahr.

 

Drei Gummipunkte an den Gewinn!