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Respekt? Wohl eher Fassungslosigkeit

Moritz / Schauspieler / Köln

Wenn man heutzutage pinkeln geht, wird Mann (und ich denke, in den Toiletten der Damenwelt wird es nicht viel anders sein) mit Werbung konfrontiert. Auf vielen öffentlichen Toiletten kann man, während man sich erleichtert, gleich erfahren, was man als nächstes kaufen soll. Eine Unart sind diese Poster gleich vor der Nase, aber was will man machen? 

 

In der Regel ignoriere ich so gut es geht diese Beeinflussung meines Verhaltens. 

Aber diesmal war es anders.

„SIE KRIEGEN WENIGER PARKLÜCKEN. ABER MEHR RESPEKT!“

Da stand es, schwarz auf gelb. Gleich vor meiner Nase. Über dem Urinal. 

Ich war im ersten Moment so perplex, dass ich glatt vergaß, dass ich eigentlich einem dringenden Bedürfnis nachzugehen hatte.

„SIE KRIEGEN WENIGER PARKLÜCKEN. ABER MEHR RESPEKT!“

Wie will man so eine unsägliche Aussage ignorieren? 

 

Reicht es nicht, dass die Autoindustrie auf allen Werbekanälen die Vorzüge ihrer neuen, immer größeren Blechkisten für die Umwelt und/oder unser aller Wohlbefinden preisen? Ein Wirtschaftszweig, der maßgeblich Verursacher von diversen Umweltschäden ist, vom Energieaufwand bei der Herstellung, Ressourcenverbrauch bis hin zu Treibhausgasen, Mikroplastik durch Reifenabrieb und Feinstaub? Ein Wirtschaftszweig, der sich seit Jahrzehnten blind stellt und keinerlei ernsthafte Versuche vorweisen kann, seiner Verantwortung gerecht zu werden?

 

Reicht es nicht, dass immer mehr Autos unsere Innenstädte vollparken und uns Menschen in den Städten den Lebensraum rauben?

 

Und reicht es nicht, dass die immer größer werdenden Autos mit den riesigen Motorhauben das Leben von Fußgängern und Radfahrern, vom Kind bis zum Berufspendler, gefährden?

 

 

 

Sie kriegen weniger Parklücken? 

Ja, das stimmt wohl, wenn man mit so einer platzraubenden Schüssel durch eine Innenstadt fährt. Leider aber meist nicht mit dem Resultat, das Ding zu Hause zu lassen oder zumindest am Stadtrand zu parken. 

Stattdessen stehen diese Blechmonster dann auf Radwegen, Fußwegen oder sonst wo herum. Auf fünfhundert Metern Radweg hatte ich gestern wiedermal drei abgestellte Autos, die Jung und Alt über die Bordsteinkante auf eine dreispurige Straße zwangen.

 

Respekt?

Dafür, dass man ein in den allermeisten Fällen vollkommen unnötig großes Auto in einer Stadt bewegt, die Luft verpestet und das Stadtbild verschandelt?

Wie ignorant kann man eigentlich sein?

 

Respekt?

Vielleicht vor dem Schneid und der Dreistigkeit, so eine geistige Diarrhö zum Werbeslogan einer Autovermietung zu machen und damit zu werben.

 

Respekt?

Vor Angeberei? Gibt es nichts Besseres, für das man Menschen respektieren kann? Ernsthaft?

 

Oder ist das einfach nur Dummheit?

 

 

Ich bin fassungslos! Und das bin ich selten.

 

Dafür Respekt!