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Ein Jahr abnehmen und Gewicht halten

Moritz / Schauspieler / Köln

Ein Jahr abnehmen und Gewicht halten.  Wie steht es heute?

 

Ein Jahr ist er nun her. Einige Tage nach Karneval – pünktlich zum Beginn der Fastenzeit – ging es los mit dem Abnehmen. 

Heute, ein Jahr später, kommt es mir fast schon unwirklich vor, dass ich mal so dick gewesen sein soll, wie ich es im Frühjahr 2018 noch war. Insgesamt hatte ich in wenigen Monaten mehr als 40 Kilo abgenommen und wog irgendwann im Juni dann 76 Kilogramm. Normalgewicht hergestellt. Ab jetzt hieß es halten. Heute habe ich tatsächlich immer noch über 30 Kilo weniger auf den Rippen, einiges habe ich durch Training an Muskulatur aufgebaut, bei 82 Kilo wollte ich dann ca. rauskommen. Bin aber in den letzten Monaten etwas über das Ziel hinausgeschossen. Nicht schlimm. Ich fühle mich im Grunde weiterhin schlank und rank. Meine Fitness ist top. Alle Werte gut. 

Warum nur, stelle ich mir die Frage, kommt es mir inzwischen lange nicht mehr wie der große Erfolg vor, der es ist. 

Nehme wir mal die Zahlen. Wer von einem ordentlichen Übergewicht kommend abnimmt, hat eine vielleicht 2 %-ige Chance, nicht in kürzester Zeit wieder beim Ausgangsgewicht zu landen. 

Zwei von einhundert, eine beschissene Quote, Entschuldigung für die Ausdrucksweise.

Mit Hilfe kann man diese statistische Erfolgsquote auf bis zu 30 % verbessern. Aber auch hier schafft es ja eine deutliche Mehrheit immer noch nicht, das neue Gewicht zu halten.

Wenn man nur 5 % des Ausgangsgewichtes dauerhaft verlieren und halten konnte, gilt es als Abnehmerfolg. Ich kam von 120 kg. Wenn ich also nun 114 Kilo wiegen würde, wäre meine Gewichtsreduktion ein Erfolg. Ist doch top. Ich habe sogar etwas über 30 % meines Ausgangsgewichts verloren und halten können bislang. Ich wiege zur Zeit um die 87 kg. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist. 

Sollte man meinen. 

Stattdessen war der erste Gedanke nach dem Karneval: Oh nein. Ich habe mein selbst gesetztes Maximum von 83 kg überschritten. 

Panik?

Nicht ganz. 

Aber ich fühle mich nicht wohl dabei. Und das, obwohl ich meines Erachtens besser aussehe mit meinen 87 kg als mit den 76. Das war mir tatsächlich etwas zu wenig. 

Aber warum fühle ich mich damit schon wieder nicht wohl? 

Zum einen ist es sicher eine Folge der Sorge, noch weiter zuzunehmen. Den Aufwärtstrend nicht mehr bremsen zu können. Die Sorge ist ja auch nicht unbegründet und es ist sicher richtig und wichtig, gleich bei den Anfängen einen Riegel vorzuschieben. Bitte gar nicht erst wieder in Gefilde kommen, in denen es echt schwer wird mit dem Gewicht. Frust über das Gewicht hieß bislang ja immer etwas zu essen, um mich wieder besser zu fühlen. Was für ein Mist. Dieses alte Muster bitte streichen! 

Zum anderen aber habe ich mich in der kurzen Zeit schon so an die neue Figur gewöhnt, dass mir fünf Kilo zu viel nicht nur auffallen, sondern mich tatsächlich stören. Und das bei einem Gewicht, das ich nichtmal als Ziel gesetzt hatte bei Beginn des Abnehmens, weil es mir zu weit weg schien, um es je erreichen zu können.

Aber ist es nicht merkwürdig, einerseits zu wissen, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis mein Körper und mein Geist das neue Gewicht als „normal“ ansehen und andererseits genau das Gegenteil zu fühlen? Nämlich, dass es schon so normal geworden ist, schlank zu sein, dass ich mich an fünf Kilos aufhänge?

 

Um ganz ehrlich zu sein, habe ich meine Nahrungskontrolle für einige Wochen etwas schleifen lassen. Selbst das von mir so heiß geliebte Kochen habe ich so gut wie eingestellt. Hinzu kamen zwei Wochen Erkältung und eine Woche eine Entzündung im Nagelbett eines Zehs. Drei Wochen kein Sport also. Und gleich im Anschluss noch Karneval. Böse Kombination. 

Aber ich glaube daran liegt es nicht, zumindest nicht nur. Von ein paar Tagen feiern nimmt man keine fünf Kilos zu. Und mit etwas mehr Disziplin hätte ich auch die drei sportfreien Wochen gut herumbekommen.

Ich glaube, es liegt an etwas ganz anderem. Ich hatte ein Tief. Eindeutig. Nach einem mit Schwung begonnenen Jahresanfang bin ich quasi eingefroren. Ich war zwar viel unterwegs, dann krank und sogar einige Tage auf der Skipiste unterwegs. Aber ich habe viel auch unnötig schleifen lassen. Um genau zu sein, alles, was nicht unbedingt sein musste. Auch hier im Blog ist das zum Tragen gekommen. Durch Abwesenheit. Ich habe nicht geschrieben. Versucht habe ich es, aber es ging nicht ... Ich fühlte mich leer. Sorry dafür. 

Offenbar musste ich nach der Information über das Lindenstraßen-Aus doch mal kurz innehalten. Kurzer Stopp. Sacken lassen, statt einfach mit einem netten „Ach, das ist schon ok“ drüber hinwegzugehen. Es ist eben nicht einfach und schon mal überhaupt nicht einfach ok. Typisch für mich auch, einen solchen Einschnitt, einen Jobverlust nach 34 Jahren abzutun als sei es nicht so wild. Ganz  abgesehen davon, dass ich dort ja auch ein Zuhause verlieren. Eine Konstante in meinem Leben.

Klar, passiert. Bin bei weitem nicht der einzige Mensch, der sich mal neu orientieren muss. Das heißt aber ja nicht, dass es leicht ist. 

Das versuche ich mir nun also einzugestehen. Es ist nicht leicht. Und es muss auch nicht leicht sein. Auch jetzt nicht, wo ich noch zehn Monate Arbeit bei der Lindenstraße vor mir habe. Ich darf mich auch mal beschissen fühlen. Anderen geht es auch mal beschissen, wenn der Job wegfällt. 

Einmal alles auf Anfang setzen, bitte. 

Ok.

Nach einigen Wochen Wunden lecken, fühle ich mich nun soweit, wieder aufzustehen und loszulegen.

Als erstes also diesen Beitrag schreiben. Und gleich darauf müssen die fünf Kilo wieder runter, die nicht mehr zu mir gehören sollten. Also wieder rein in den Sattel und ran an den Sport. Meine Jahresziele nicht aus den Augen verlieren und auch die Küche ruft wieder zum Angriff. 

Der Garten ruft zum Pflanzalarm ...

Und natürlich Pläne schmieden. Ernsthaft und nicht nebenbei. Hinsetzen und durchdenken, was getan werden kann und muss. 

Wo will ich hin nach der Lindenstraße? Was will ich tun? Freiheit habe ich dann ja genug. Zum ersten Mal kann ich über meine Zukunft nachdenken, ohne dabei im Hinterkopf behalten zu müssen, ob sich das Vorgenommene auch mit der Lindenstraße vereinbaren lässt. 

Die Frage ist also, wo ist der Moritz in einem Jahr? Wenn das mal kein Grund ist, in die Puschen zu kommen?

 

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Ein Jahr, seit ich mit Erfolg begonnen habe, meinen Körper und meine Gesundheit wieder in Form zu bringen.

Stolz und Freude dominieren im Rückblick. 

Und Dankbarkeit. Dank an die Mitstreiter, die mindestens genau so tapfer waren, an die Mitarbeiter der Klinik, die bei uns so gute Arbeit geleistet haben. An Dr. Malte Rubach, der mir neben dem Programm mit Rat und Tat zu Seite steht und natürlich an meine liebe Bine, die mich ertragen musste und Geduld mit mir hatte, in einer Zeit, in der ich durchaus mal dünnheutig war.

Und selbstverständlich auch an euch alle. Ich habe sehr viel Zuspruch erhalten, das hat mir bis hierhin sehr viel Kraft gegeben. Mercy. 

 

Es war kein leichter Weg. Und irgendwas sagt mir, dass es in den kommenden 12 Monaten nicht leichter werden wird. Das Programm ist nun beendet, die Gruppentherapie ist vorbei. Die Gruppe, die mir so viel Kraft gegeben hat, löst sich –  zumindest in Teilen – auf. Einige treffen sich nun weiterhin. Würde ich auch gerne. Schaffe ich aber beruflich nicht noch ein weiteres Jahr. Zu viele Drehtermine werden es in diesem Jahr unmöglich machen, einen regelmäßigen Termin einzuhalten. Also allein weiter machen.

Aber das bekomme ich hin. Und ich habe in Malte sogar einen Ernährungswissenschaftler, der mich weiterhin berät, damit ich auch von außen eine Kontrolle habe. Er begleitet mich ja auch immerhin schon ein ganzes Jahr lang. 

Denn Hand aufs Herz, es ist ein super Gefühl, sich wieder normal bewegen zu können. Das kann, will und werde ich mir erhalten.

 

Auf den Bildern unten von Steven Mahner ist das Vorher (120kg) und das Nachher (80kg) im Vergleich zu sehen.  Das Vorschaubild im T-shirt ist von Thomas Kost und zeigt den Vergleich zwischen 124kg und 76kg, wobei mir die 76 tatsächlich schon zu wenig waren.