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Endlich Sonnenstrom

Moritz / Schauspieler / Köln

Endlich ist es soweit. Die Solaranlage ist auf dem Dach. Mein Gewissen ist um ein Problem erleichtert. Zwar ist im Bereich Photovoltaik auch nicht alles Gold was glänzt, denn immerhin ist die Herstellung der Kollektoren nicht besonders umweltfreundlich, aber dennoch. Wir heizen mit Strom, daher ist unser Stromverbrauch recht hoch. Umso mehr sahen wir die Notwendigkeit hier etwas zu tun.

 

Einfach nur auf grünen Strom umzustellen hilft die erneuerbaren Energien auszubauen, hat aber nur auf dem Papier einen Effekt. Immerhin ist der Strom der aus der Leitung kommt der gleiche. Mit oder ohne Ökostrom.

 

Aber warum haben wir  nicht einfach auf die gemeinhin umweltfreundlicher geltende Variante des Heizens, Gas, oder besser noch Pellets, umgestellt, die auch noch günstiger ist als Strom mag man sich fragen? Das hat in unserem Fall etwas mit dem Haus und der bestehenden Infrastruktur zu tun. Leitungen für eine wasserbasierte Heizung sind nicht vorhanden. 

Als wir das Haus sanierungsbedürftig übernommen haben, gab es nur die Anschlüsse für Nachtspeicheröfen und im Erdgeschoss eine elektrische Fußbodenheizung, eingelassen in den Estrich. Ein Keller fehlt. Wir hätten für zig tausende von Euros alles neu legen müssen. Und zwar durch die Wände oder offen verlegt. 

Offen verlegen kam nicht in Frage und die alten Wände aufstemmen war statisch, kostentechnisch und vom Dämmwert der Wände her nicht sinnvoll. 

Und dann war da noch das Problem mit dem Platz. Kein Keller heißt auch, kein Platz für eine Therme, einen Tank oder einen Pellet Ofen. Selbstverständlich wäre mir eine Pelletheizung kombiniert mit Solarthermie und einem Ofen im Wohnzimmer mit Wasserumlauf am liebsten gewesen. Aber keine Chance.

Also haben wir den Ofen im Wohnzimmer ohne Wasserumlauf eingebaut und der Rest des Hauses blieb am Storm. Das EG mit der Fußbodenheizung und die restlichen Räume mit Infrarotheizungen. Die sind angeblich in Bezug auf den Stromverbrauch sparsamer als andere elektrische Heizungsformen. Und das hat sich auch bewahrheitet. Durch den Ofen im Wohnzimmer können wir einen Großteil des Heizens über Holz regeln.

 

Vor einem Jahr haben wir dann endlich die alten Fenster gegen besser isolierende eingetauscht. Das hatte warten müssen. Alles auf einmal zu sanieren machte das Budget nicht mit. Dass Dach zu dämmen war wichtiger.

Der Einbau der neuen Fenster hat schon einiges bewirkt, der Verbrauch ist merklich gesunken.

Und nun endlich die Solaranlage mit Speicher. Ganz billig sind die Dinger zwar nicht, aber es amortisiert sich das ganze innerhalb von wenigen  Jahren. Und wir können unseren Beitrag zu mehr erneuerbarer Energie leisten. Top. 

 

Ganz so leicht war es dann aber nicht. Denn auch hier Bedarf es einiges an Platz für den Speicher. Ursprünglich sollte das Ding in einer Ecke im wenig genutzten Flurteil neben dem Schlafzimmer eingebaut werden. Bei der Installation stellte sich heraus, das der Platz nicht reichen würde. Ärgerlich, dachten wir. Und so kam das Ding in die kleine Abstellkammer im EG. Die Leitungen mussten damit aber erst mal durch mein Arbeitszimmer gelegt werden um von dort nach außen zu gelangen. 

Es hieß also spontan und ohne Vorbereitung mein Arbeitszimmer leer zu räumen. Zwanzig Minuten später war alles im Wohnzimmer, lose verteilt auf dem Boden. Ein riesiges Chaos.

 

Kaum war die Anlage montiert begann ich dann auch gleich das Zimmer zu renovieren. Die Wände mussten neu verputzt werden, ein neuer Boden stand eh an, bislang hatte ich nur die Ausgleichsmasse auf dem Boden verteilt und danach Jahrelang auf eben diesem Untergrund gearbeitet. Ich denke jeder kennt solche Altlasten, die man nie mehr behebt, wenn man erstmal eingezogen ist. Glücklicherweise hatte ich ihr aus nach dem Fenstertausch noch nicht nachgearbeitet. Insofern hatte es also sein gutes. Neu streichen kam dann auch noch hinzu.

 

Nun bin ich endlich fertig geworden. Mit den Wartezeiten für das Trocknen vom Putz, Feinputz und Farbe und dem nachbearbeiten der Fugen der Wand, die nun offen bleiben soll und unterbrochen von einigen Drehtagen hat es fast zwei Wochen gedauert.

Immerhin hatte ich so mein tägliches Pensum an Bewegung und habe nun ein brandneu anmutendes Arbeitszimmer, in dem ich wunderbar meinen Text lernen und meinen Schreibkram erledigen kann. Gut so, denn den größten Teil meiner Arbeit mache ich von zuhause aus. 

Mit der kurzfristigen Umplanung hatten wir dabei noch richtiges Glück. Der Umwandler sollte ab und an ganz leise brummen. In etwa so wie ein Kühlschank wenn er nachkühlt. So wurde es uns im Vorgespräch mitgeteilt. Wie sich bei Inbetriebnahme herausstellte ist die Wahrheit aber, dass das Ding bei Sonne andauernd brummt und dabei deutlich lauter ist als ein Kühlschank. Einschalten und brummmmm... ging es los. 

Neben dem Schlafzimmer wäre es nicht tolerabel gewesen, das wäre auch durch die Wand und erst recht durch die Tür deutlich zu hören gewesen. Im Sommer hätte das geheißen, dass ab 5 in der früh an Schlaf kaum noch zu denken gewesen wäre. Wie man einem Kunden raten kann, ein solches Gerät neben Wohn,- oder Schalfräumen zu montieren ist mir vollkommen schleierhaft. Wir hätten alles nochmals umbauen müssen. Das bleibt uns nun erspart. 

 

Nun bin ich gespannt, wie sich die Anlage im Dauerbetrieb machen wird und wie sie sich dann tatsächlich auf unseren Verbrauch und auf die Stromrechnung auswirkt.

Sicherlich werden wir ab jetzt alles was viel Energie verbraucht am Tage laufen lassen, wenn die Sonne scheint, denn so ganz viel Energie kann die Batterie für die dunklen Stunden dann doch noch nicht aufnehmen, der Rest wird ins Netz eingespeist und wenn unser Speicher leer ist müssen wir wieder Strom zukaufen. Aber wenn die Waschmaschine und co. am Abend nicht dazukommen, reicht es bislang ganz ohne externen Strom auszukommen. Das wäre doch mal was. Bislang läuft der Zähler jedenfalls nur in Richtung einspeisen. 

 

Neben dem Verzicht auf ein Auto und der deutlichen Reduktion des Fleischkonsums ist nun also ein weiterer Schritt getan, meinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Weiterhin weit entfernt von dem eigentlichen Ziel von etwas mehr als einer Tonne CO2 Verbrauch pro Jahr bin ich leider immer noch. Aber immerhin.